Dante Alighieri

Im schönen Welschland liegt am Fuß der Alpen,
Die gen Tirol das deutsche Land verschließen,
Ein großer See, den man Benaco nennet.

Wohl netzt von tausend Quellen all des Wassers,
Das dann in jenen See fließt, Apennin
Sich zwischen Val Camonica und Garda.

Ein Fleck ist dort inmitten, wo der Bischof
Von Trento, Brescia, wie der Veronese,
Wenn sie des Weges kämen, segnen könnte.

Peschiera jene feste, schöne Wehr,
Um Bergamo wie Brescia Trutz zu bieten,
Liegt wo sich rings zumeist das Ufer senkte.

Dorthin muß alles Wasser niederrinnen,
Das Raum nicht findet in Benaco’s Schoße,
Und durch der Weiden Grün rinnt es als Fluß.

Sobald dies Wasser nun zu fließen anfängt,
Heißt es Benaco nicht mehr, sondern Mincio,
Bis bei Governo in den Po es mündet.

Dante zeigt uns zunächst die Spitze des Gardasees, umschlossen von den Alpen, die die Grenze zu Tirol, zu Deutschland und also zu der deutschen Welt markieren: die Dolomiten. Dies sind die Berge, auf denen der Große Krieg ausgetragen wurde.

Dante schreibt, dass tausend Quellen den See speisen, der im Osten vom Dorf Garda und im Westen von der Val Camonica geschlossen ist; und an der Kreuzung der Gewässer gibt es einen Punkt, an dem die Bischöfe von Trient, Brescia und Verona den Segen erteilen konnten, weil alle drei das gleiche Recht auf das ideale Zentrum von Benaco beanspruchen können.

Die Bastionen von Peschiera beherrschen den unteren See: von den Scaligern gebaut, um die Einwohner von Brescia und Bergamo in Schach zu halten, wurden dann von den Österreichern in eine der Festungen umgewandelt, gegen die die italienischen Soldaten und Freiwilligen des Risorgimento antraten.

Wenn Sie das nächste Mal mit dem Zug von Venedig nach Mailand fahren und am Gardasee entlangfahren, schauen Sie aus dem Fenster, Sie werden die Landschaft sehen, die Dante geliebt hat: die von Wasser umgebenen Mauern von Peschiera, die lange und dünne Halbinsel von Sirmione, das Profil des Monte Baldo, auf dem man im Winter Ski fahren kann mit einem Blick auf den See und die Olivenbäume von Punta San Vigilio mit dem von den Venezianern gebauten kleinen Hafen.

Der Gardasee erlebte 1439 eines der kühnsten Marineunterfangen: 33 Schiffe, die von der Serenissima abfuhren, fuhren die Etsch hinauf und wurden mit der Kraft der Armen bis in den See getragen, um gegen die in Peschiera verbarrikadierten Mailänder Krieg zu führen.
Auf der anderen Seite der Bahnlinie sieht man den Turm von San Martino, wo am 24. Juni 1859 die entscheidende Schlacht zur Einigung Italiens geschlagen und gewonnen wurde. Und Belfiore ist nicht weit, das Tal, in dem die Österreicher mindestens elf Patrioten erhängt und dann in den See geworfen haben.

Aber Dantes Beschreibung ist noch nicht abgeschlossen. Das Wasser fließt aus dem See und wird zum Fluss, dem Mincio, der zwischen grünen Weiden bis nach Governolo fließt und dort in den Po mündet. Der Legende nach hielt hier Papst Leo der Große die Horden Attilas auf.

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